Auf der Suche nach einer schicken Steuerung für unsere Fußbodenheizung bin ich – wahrscheinlich erst mal optischer Weise – bei der Steuerung von heatit hängengeblieben. Die wohl momentan optisch ansprechendste Möglichkeit der Heizungssteuerung. Aber: Kann die Technik mit der Optik mithalten, oder handelt es sich um ein Schaf im Wolfspelz? Wir rücken dem „Wolf“ auf den Pelz und sagen euch, ob es hält was es verspricht.

heatit Wandthermostat als Fußboden-Heizungs-Steuerung

Unboxing und erster Eindruck

IMG_2052_mod.jpg

Was die Produktbilder hergeben spiegelt sich auch in der Qualität der Steuerung wieder. Optisches Highlight in perfekter Verarbeitung: Was will man mehr. Nur, dass außen an der Verpackung ein (altes?) falsches Produktbild (mit schwarzen Display) aufgedruckt ist, versteh ich nicht ganz. Das heatit ist schneeweiß, passt in eine Standard Unterputz-Dose und ist mit Rahmen etwa so groß wie ein Lichtschalter (ebenfalls mit Rahmen).

Außer der Steuerung ist noch ein externes Bodenthermostat mit 3 Meter Länge enthalten, welche in den Boden eingelassen werden kann, um die Temperatur dort auszulesen. Einbauanleitung und Beschreibung liegen ebenfalls bei.

externer Sensor

Wie gesagt: Der externe Temperaturfühler liegt der Steuerung bei. Allerdings werden vermutlich die meisten von uns keinen vorhandenen Bodenfühler eingebaut haben, geschweige denn nachträglich diesen einbauen können :-| Es gibt aber trotzdem noch Möglichkeiten andere externe Sensoren anzuschließen. heatit selber hat hier drei verschiedene externe Raumsensoren – darunter auch ein Outdoor Gerät - im Angebot.

Damit wäre durchaus denkbar, durch vorhandene Leerrohre der Verkabelung, an eine andere Stelle im Raum zu gelangen. Alle externen Sensoren sind kabelgebunden.

interner Sensor

Immer wieder stoße ich beim Suchen im Netz auf die Meinung, dass der heatit seit einer bestimmten Baureihe keinen internen Sensor mehr hat, und dieser nur in Kombination mit einem externen Sensor funktioniert. Dem ist – nach Rücksprache mit heatit selber (entgegen der allgemeinen Meinung im Internet) – nicht der Fall. Der interne Temperatur-Sensor ist immer noch vorhanden und aktiv. heatit rät aber zur Verwendung von externen Sensoren, da durch die Hitzeentwicklung der Steuerung ein verfälschter Temperaturwert entstehen kann. Was aber trotzdem entweder am Gerät selber als Feinjustierung, oder später im Home Assistant angepasst werden kann.

Anschluss der Kabel

Wichtiger Hinweis: FINGER WEG von der Elektroinstallation! Diese Anleitung ist nur für Fachpersonal. Alle anderen lassen die Finger davon oder verstärken sich mit fachkundigen Helfern. Gefahr durch Stromschlag!
kabel.jpg

Am besten schaut ihr euch euer (falls vorhanden) bestehendes Thermostat an. Bei mir waren haben den Stromzuführenden Kabeln (L & N) noch ein geschaltener L angeschlossen, der je nach Steuerungseinheit den Impuls/ das Signal an die Heizung weitergibt und dementsprechend den Heizvorgang startet. Diese drei Kabel braucht ihr mindestens, um das heatit einsatzbereit zu machen.

Außerdem haben wir die Möglichkeit, einen Boden- und einen externen Temperatur-Sensor anzuschließen. Das ermöglicht uns eine genauere Bestimmung der aktuellen Raumtemperatur. Da wie bereits erwähnt das heatit einen eingebauten Temperatur-Messer besitzt, ist das nicht zwingend notwendig – wenn auch zu empfehlen.

Der heatit läuft bei mir nach Inbetriebnahme auf Fehler Er4, weil im Standard das Thermostat „Internal room + Floor sensor“ eingestellt ist, und dementsprechend ein Floor sensor erwartet wird. Wir werden die Konfiguration der Steuerung allerdings später vornehmen.

 

Verbindung mit dem Z-Wave gateway

An dieser Stelle vorab gleich mal der Pairing-Vorgang, da wir jetzt noch an den Button des Aktors kommen. Die Verbindung zum Z-WAVE-Gateway klappt – dank des AEOTEC 5. Gen USB Stick (wie immer) problemlos. Wir entnehmen den Stick dem raspberry pi und bringen ihn in die Nähe unserer Heizungssteuerung. Damit wir den heatit in unser Z-Wave Netzwerk integrieren können, müssen wir folgendermaßen vorgehen:

  • mittleren Touch-Button („confirm“) 10 Sekunden lange drücken
  • Display bestätigt mit „OFF“
  • Rechten Button (Pfeil nach unten) 4-mal betätigen
  • Am Display erscheint „Con“ (Connection)
  • AEOTEC USB-Stick oder Open Z-Wave Control Panel auf pairing mode bringen
  • „center“ Button 2 Sekunden lange drücken
  • „Warte-Animation“ erscheint
  • Display bestätigt mit „Inc“ die Inklusion

Genauso verhält sich übrigens auch der Exklusionsvorgang. Anstatt „Inc“ bestätigt der heatit allerdings zum Schluss logischerweise mit „Ecl“ – alle anderen Schritte bleiben unverändert.

Parametrisierung heatit Wandthermostat

An dieser Stelle würde ich euch gerne die Konfiguration mit dem Open Z-Wave Control Panel vorstellen. Diese ist allerdings für den heatit nicht komplett umgesetzt, weshalb ich euch empfehlen muss, die Konfiguration lieber am Gerät selber vorzunehmen.

Um in das Konfigurations-Menü zu gelangen, müsst ihr auf den „confirm“-Button (der mittlere Touch-Button) ca. 5 Sekunden drücken, bis „Off“ erscheint. Im Menü wählt ihr dann zwischen den Sensoren entweder „A“ für den internen Sensore des heatit, „F“ für den Bodensensor oder „A2“ für einen extern angeschlossenen Sensor. Mit drücken der „confirm“-Taste für mind. 2 Sekunden speichert ihr die Einstellungen ab.

Differenzen der gemessenen Temperatur (zum Beispiel bei der Verwendung eines Boden-/ externen Sensor) mit der tatsächlichen (am besten nachmessen mit digitalen Thermostat) Temperatur können wir auch hier im Menü einstellen. Je nach Sensor sind das die Einstellungen „CAE“ (externer Sensor), „CAF“ (Bodensensor) oder „CAR“ (internen Sensor). Hier können wir in (+/-)0,5°C-Schritten die Differenz zur tatsächlichen Temperatur einstellen.

Mit dem Parameter „SEn“ müsst ihr (falls vorhanden) euren externen oder Boden-Temperaturfühler – bzw. dessen Wiederstand – einstellen. Standardmäßig ist hier 10kOhm eingestelölt, was auch in der Regel so passen müsste. Sollten allerdings andere Wiederstände eingestellt werden müssten, sind hier noch Werte zwischen 12kOhm und 47kOhm möglich auszuwählen.

Der Parameter „br1“ steuert die Helligkeit des Displays, die ihr nach euren Vorlieben verändern könnt.

 

Integration Home Assistant

Die Integration in Home Assistant läuft eigentlich von ganz alleine. Unser Z-Wave USB Stick leitet nach der Inklusion ja eigenständig die verschiedenen Sensoren des Geräts an Home Assistant weiter. Dort erkennt HA das heatit bereits als „climate“-Device und bringt uns auf der GUI bereits die Möglichkeit, Zieltemperatur und „operation_mode“ zu setzen und die aktuellen Werte dessen abzulesen. Dies für insgesamt drei Zustände, die das heatit mit sich bringt: „Heat, HeatEco, Off“

WertBeschreibung
temperatureHier stellen wir die uns gewünschte Zieltemperatur ein. Die Steuerung gibt nun solange der Heizung „freie Fahrt“, bis der eingestellte Sensor diese Temperatur erreicht oder deaktiviert diese bis es wieder kälter wird und die Heizung wieder anspringen soll.
operation_modeErmöglicht es uns, Zieltemperaturen für verschiedene Modi festzulegen. Damit sparen wir uns das lästige hin- und herschalten der Zieltemperatur sondern setzen lediglich nur die verschiedenen Modi. Beispielsweise können wir für den Modus „Heat“ eine Temperatur von 22°C einstellen und für Energy Heat 19°C. Über Z-Wave/ Home Assistant können wir nun bequem zwischen den Modi (operation_mode) wechseln, um die definierten Zieltemperaturen einzustellen.
kabel.jpg
kabel.jpg
 

Sensor-Wert/ Display-Anzeige aktuelle Temperatur

Zudem würde uns die aktuelle Raumtemperatur des eingestellten Thermostats angezeigt. Würde? Ja, ein kleines Problemchen gäbs da noch… Verwendet ihr ausschließlich den integrierten internen Temperatur-Sensor, liefert das heatit hier lediglich die eingestellte Zieltemperatur statt der aktuellen Raum-Temperatur. Wieso? Anscheinend möchte man mit ggf. unwahren Werten die Benutzer nicht zu sehr verwirren, welche ja durch die Eigen-Wärmeentwicklung auftreten könnten.

Verstehen tu ich das allerdings nur eingeschränkt. Wenn das heatit laut dieser Werte die Heizung steuert, wäre es ja auch nicht verkehrt diesen Wert anzuzeigen. Damit hätte mal zumindest mal einen Wert, der erklärt, warum wann was gemacht wird. So tappt man halt ein bisschen im Dunkel und muss nach eigenen Ermessen nachsteuern.

Dies ist allerdings auch das gleiche Vorgehen, welcher Wert auf dem heatit selber angezeigt wird.

Automation in Home Assistant

OK, wir können nun unsere Raum-Temperatur mit Home Assistant steuern oder die Heizung damit ein- oder ausschalten. Das konnten wir – obwohl viel unbequemer – vorher auch so. Allerdings bringt uns hier jetzt Home Assistant einiges mehr an Möglichkeiten. Wie wäre es beispielsweise mit einer Tages- und Uhrzeit-abhängigen Steuerung verschiedener Räume? Oder wie wärs, wenn automatisch erkannt wird, wenn ihr euer zu Hause verlässt, und dementsprechend die Temperatur der Heizung zurückgefahren wird? Ein kleines Beispiel?

Katrin und Stefan (beide einzige Mitglieder der Gruppe "family") fahren früh morgens zu Verwandten ins 200km entferne Allgäu. Beide sind mit ihren Handys als device tracker (owntracks) in Home Assistant registriert. Außerdem haben sie drei Zonen im Umkreis von 250m (home),100km (near_away) und 100+x km (far_away) zu ihrer Wohnung angelegt. Ihr Status wechselt deshalb beim Verlassen ihres zu Hauses auf "near_away". Das soll grundsätzlich erst mal keine Änderung hervorrufen. Erst, wenn sie eine Mindest-Fahrzeit von ca. 1 Stunde (100km - far_away) erreichen, um wieder nach Hause zu kommen, soll sich die Zieltemperatur der Heizung vermindern, um den Geldbeutel und den Verbrauch zu schonen. Deshalb soll sich beim Erreichen der Zone "far_away" die Temperatur von 21°C auf 19°C absenken. Natürlich nur, wenn die niedrigst-erwartete Tages-Temperatur entsprechende Jahreszeiten erahnen lassen :-)

automation:
  - alias: Heizung aus
    trigger:
      platform: zone
      entity_id: group.family
      zone: zone.far_away
      event: enter
    condition:
        - condition: numeric_state
          entity_id: sensor.dark_sky_daily_low_temperature
          below: 10
    action:
      - service: climate.set_temperature
        data:
          entity_id: climate.thermofloor_as_heatit_thermostat_tf_021_heating_5_1
          temperature: 19

Ähnlich dem, was beim Erreichen der "near_away"-Zone passiert:

  - alias: Heizung an
    trigger:
      platform: zone
      entity_id: group.family
      zone: zone.far_away
      event: leave
    condition:
        - condition: numeric_state
          entity_id: sensor.dark_sky_daily_low_temperature
          below: 10
        - condition: state
          entity_id: group.family
          state: 'near_away'
    action:
      - service: climate.set_temperature
        data:
          entity_id: climate.thermofloor_as_heatit_thermostat_tf_021_heating_5_1
          temperature: 21

So, wie ihr merkt ist das alles relativ simple und könnte beliebig euren Vorlieben/ Verhältnissen angepasst werden. Kalender-Abgleich Urlaub, Abwesenheit, Fahrzeit nach Hause: All das könnte man sehr schnell in Home Assistant mit einfließen lassen und gem. verschiedener Szenarien die Heizung komplett automatisieren.

Fazit heatit Wandthermostat

Das Fazit zum heatit ist hier schnell gefunden: Trotz ggf. eines fehlenden externen Sensors (da interner Sensor vorhanden), lässt sich das heatit Wandthermostat problemlos in eure Heizungssteuerung einbinden, bzw. euer altes Steuergerät ersetzen. Dazu gibt es reichlich Einstellungsmöglichkeiten und Automatisierungs-Szenarien, die keine Wünsche offen lassen. Das alleine können andere Geräte aber auch. Jetzt kommt aber das entscheidende Kriterium: Im Gegensatz zu vielen anderen smarthome Wand-Thermostaten sieht das heatit zudem noch hervorragend aus. Wer also keine Hochglanz-weiß Antipathie hat geht hier auf jeden Fall mit dem Trend, und wird von der Ausführung/ Qualität überzeugt sein! Klare Kaufempfehlung!

marco

Hallo, mein Name ist Marco. Ich bin Wirtschaftsinformatiker mit der Vision seine Bestandsimmobilie der 90er mit den neuesten Trends der Z-Wave-Produktfamilie "aufzumöbeln". Ich blogge über Z-Wave-Geräte, HomeAssistant und Ideen, wie ihr euer Heim noch smarter machen könnt.